- In Indien
- Sri Chinmoys Geburt
- Die Zukunft hat begonnen
- Der Traum von Chinmoys Bruders Chitta
- Der Wissensdurst des kleinen Chinmoy
- Wie aus Madal Chinmoy wurde
- Rad oder nicht Rad
- Entdeckte Talente
- Im Auge des Löwen
- Schwere Zeit für Chinmoy
- Traumvisionen
- Im Sri Aurobindo Ashram
- Chinmoy und das Buch des Lebens
- Chinmoys Talente
- Ravi Shankar und Indiens Unabhängigkeit
- Sri Aurobindos Tod
- Ashramleben
- Privatsekretär und Leichtathlet
- Spezialerlaubnis
- Prophezeiung
- Im Westen
- Aktivitäten
Schwierige Wohnverhältnisse
Sri Chinmoy verdiente anfänglich nur 230 Dollar im Monat. Mit diesem geringen Betrag musste er alle seine Kosten wie Miete, Kleidung, Nahrungsmittel und vieles mehr vollständig abdecken. Aus diesem Grund konnte er sich auch keine teure Unterkunft leisten und belegte deshalb, zusammen mit zwei Arbeitskollegen, eine eher kleinere Mietwohnung. Insbesondere sein eigenes Zimmer war außerordentlich winzig. Und auch Sri Chinmoys tägliche Mahlzeiten fielen nicht gerade üppig aus. Dennoch fühlte er stets einen tiefen inneren Frieden, der ihm, zusammen mit seiner täglichen disziplinierten Meditationspraxis über die eher widrigen äußeren Umstände hinweghalf.
So ging Sri Chinmoy zum Beispiel jeden Abend in einen nahe gelegenen Park, um zu meditieren. Diese kleine Grünanlage trug den Namen Morningside Park und war irgendwie bezeichnend für die Frische und den aufstrebenden Enthusiasmus, den Sri Chinmoy in seinem noch jungen Leben verspürte. Und nicht zuletzt schrieb er hier auch etliche Gedichte, die er in späteren Jahren einmal zu seinen bedeutendsten zählen sollte.
Einige Monate später zog Sri Chinmoy in die Nähe des berühmten Central Parks, der sich im Herzen Manhattans befindet. Von hier aus waren es nur wenige Minuten zu Fuß ins Indische Konsulat, seiner Arbeitsstelle. Seine Vermieterin, eine Deutsche, war der Auffassung, dass er sich wohl kaum an den amerikanischen Lebensstil gewöhnen würde, da er doch offensichtlich ein sehr einfaches und bescheidenes Leben führte.
Aber auch in dieser Wohnung blieb Sri Chinmoy nicht lange und wechselte bereits 1965 in den New Yorker Stadtteil Brooklyn. Unglücklicherweise verkehrte jedoch eine Bahnstrecke unmittelbar vor seinem Zimmer, kaum mehr als zwei oder drei Meter entfernt! Bei jeder Vorbeifahrt machten die Züge einen ohrenbetäubenden Lärm und die Wohnung wurde in ihren Grundfesten erschüttert.
Rettung in letzter Minute
In Brooklyn entstand auch die erste New Yorker Meditationsgruppe, die sich unter Sri Chinmoys spiritueller Anleitung regelmäßig zusammen fand. Eines Abends, nachdem die so genannte Centre-Meditation vorüber war und sich Sri Chinmoy bereits in seinem eigenen Zimmer aufhielt, bemerkte er plötzlich Rauch, der durch die Türspalten in seinen Raum eindrang. Sofort riss er die Tür auf. Ihm gegenüber stand eine Feuerwand, die schon große Teile des Meditationsraumes für sich vereinnahmt hatte! Jemand hatte vergessen die Kerzen auf dem Schrein auszumachen!
Die Gardinen waren bereits eingeäschert und reichten bis zum höchsten Punkt des Schreins. Was nun? Sri Chinmoy nahm sich ein Herz und flüchtete sich auf eine Art Balkonvorsprung. Von hier aus betrachtete er intensiv ein Bild der großen indischen Göttin Kali, welches sich auf dem Schrein befand, nur etwa zehn Meter von ihm entfernt. Er ging tief in sich und sprach einmal, aus dem Innersten seines Wesens, das englische Wort "Supreme" aus, was soviel wie "Höchster" oder "Absoluter" bedeutet.
Und das Wunder geschah! Genau in dem Augenblick, als Sri Chinmoy seine Anrufung an die höchste Gottheit beendet hatte, verringerte sich die Kraft des wild lodernden Feuers, vergleichbar mit einem gehorsamen Kind. Und obwohl die Flammen das Bild mit der großen Göttin Kali längst erreicht hatten und es umzüngelten, blieb es selbst dennoch unzerstört. Wenn auch das Glas des Bildes, sowie Bildrahmen und Hintergrund vollkommen eingeäschert wurden.
Dann kam mit lautem Getöse die Feuerwehr herbeigeeilt, die wohl von einem erschreckten Wohnnachbarn herbei gerufen worden war. Sie bereitete dem nächtlichen Spuk ein jähes Ende. Nicht jedoch, ohne viele Dinge in Sri Chinmoys Wohnung zu zerstören.
Um vier Uhr in der Früh, als alles bereits vorüber war, hatte Sri Chinmoy eine Erscheinung. Er sah, mit seinen bloßen Augen, Mutter Kali, wie sie von ihren Verehrern auch liebevoll genannt wird, vor sich tanzen. Sie sprach zu ihm: "Lass das Haus bis auf den Grund niederbrennen, ich jedoch habe meine Kinder gerettet!"
"Mutter Kali", so Sri Chinmoy später, "steht mir am nächsten, sie ist mein Ein und Alles. Sie ist die Beschützerin. Tausende und Millionen Male hat sie mich gerettet. Zu Ihren Füßen kann der Mensch Befreiung und Erlösung in kürzester Zeit erlangen. Sie kann uns unverzüglich alles geben, was Gott besitzt!"
Viele Jahre später wurde genau dieses Bild Mutter Kalis am Schrein in Sri Chinmoys eigenem Meditationsraum angebracht. Wenn man aufmerksam hinschaute, konnte man noch die Spuren der Flammen sehen, welche die Ecken des Bildes leicht angesengt hatten, ihm jedoch keinen sonstigen Schaden zufügen konnten.
