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Anstellung am Konsulat
Der überraschende Anruf
Genau zwölf Tage nach seinem ersten Eignungstest erhielt Chinmoy einen Anruf von der Sekretärin des Chefs der Pass- und Visaabteilung, Herrn Mehrotra. In diesem Anruf bestellte die Sekretärin Yvonne, die aus Jamaika in der Karibik stammte, Chinmoy ins Konsulat. Dieser ging natürlich davon aus, dass es sich hierbei um eine zweite Möglichkeit bezüglich des Tests auf der Schreibmaschine handeln würde. Daher war Chinmoy mehr als überrascht, dass dieser Anruf bereits seine Anstellung am Indischen Konsulat darstellte. Denn was der junge Inder nicht wusste: Seine gute Bekannte Kailash-Ben hatte dafür gesorgt, dass der Chef der Pass- und Visaabteilung, Herr Mehrotra, Gedichte und andere Schriften von Chinmoy erhalten hatte. Weil sie sehr genau wusste, dass Herr Mehrotra ein ausgesprochener Literaturkenner war und auch selbst sehr viel schrieb. Und dieser war dann auch von Chinmoys literarischem Schaffen äußerst angetan.
Und so kam es, dass der junge Literat sich schon kurze Zeit darauf in einem Großraumbüro der Pass- und Visaabteilung im Indischen Konsulat wieder fand - obwohl er keinerlei schulischen Abschluss besaß und sich insgesamt fünf Bewerber für diese Stelle beworben hatten. Zwei davon gar mit einem Hochschulabschluss!
Doch Gottes Wege sind manchmal unergründlich. Und irgendwie kam selbst das Thema mit der durchgefallenen Schreibmaschinenprüfung nicht mehr auf die Tagesordnung, die er, wie ihm zu Anstellungsbeginn mitgeteilt worden war, in ein paar Monaten wiederholen sollte. "Glücklicherweise oder unglücklicherweise", wie Sri Chinmoy Jahre später dazu anmerkte.
Unbefristete Anstellung
Der Chef der Visa- und Passabteilung, Herr Mehrotra, der ja mittlerweile auch Chinmoys Vorgesetzter geworden war, hatte einen Assistenten, der auf den Namen Dhawan hörte. Dhawan war nicht gerade, um es einmal etwas zurückhaltend zu formulieren, die Verkörperung der Höflichkeit. Aus diesem Grunde war er auch in der Visa- und Passabteilung ziemlich gefürchtet. Was, darüber hinaus, auch durch den Umstand forciert wurde, dass Dhawan immer eher schrie als in normaler Tonlage zu sprechen pflegte. Chinmoy arbeitete noch nicht einmal zwei Wochen in der Abteilung, als Dhawan eines Tages die Tür herein kam und bereits von dort aus Chinmoy mit seinem Nachnamen Ghose rief. Alles erstarrte. Dhawan kam geradewegs auf Chinmoys Schreibtisch zu und sagte, für jeden im Raum hörbar: "Herr Mehrotra hat entschieden, Sie fest anzustellen." Daraufhin marschierte er auch schon wieder schnurstracks zur Tür hinaus.
Alles war still, so dass man fast eine Stecknadel hätte fallen hören können. Niemand applaudierte oder sagte irgend etwas. Dann durchbrachen endlich einige von Chinmoys Arbeitskollegen die unerträgliche Ruhe. Jedoch leider eher in einem Tonfall der Entrüstung. Sie meinten unter anderem: "Ich arbeite hier schon seit sechs beziehungsweise neun Monaten und habe noch keine Festanstellung bekommen!" Chinmoy wäre in diesem Augenblick wohl am liebsten im Erdboden versunken, arbeitete er doch erst 13 Tage auf dem Konsulat. Und er wusste natürlich, dass normalerweise frühestens nach der Probezeit, die drei Monate dauerte, eine Festanstellung gewährt wurde. Oder, wie bei einigen seiner sich so vehement beklagenden Arbeitskollegen, diese Probezeit sich maximal um drei oder sechs Monate verlängerte und dann das Beschäftigungsverhältnis vorüber war.
Aber so war es nun einmal geschehen. "Warum jedoch", merkte Sri Chinmoy später einmal an, "musste mir Dhawan diese Nachricht vor so vielen Menschen geben? Vielleicht", resümierte Sri Chinmoy weiter, "wollte er ihnen das Leben schwer machen. Auf diese Weise jedenfalls begann mein Arbeitsverhältnis."
Der Tagesablauf in der Visa- und Passabteilung
Chinmoys Tagesablauf begann schon sehr bald feste Strukturen anzunehmen. Er kontrollierte Reisepässe und war für ihr Versenden verantwortlich. Jeden Tag ergab dies etwa 40 bis 50 Pässe. Im gleichen Raum arbeiteten noch acht weitere Menschen. Um zwei Uhr am Nachmittag ging Chinmoy in die Buchhaltungsabteilung. Danach, etwa um 4:30 Uhr, verließ Chinmoy das Konsulatsgebäude, um die Reisepässe zur Post zu bringen. Danach war sein Arbeitstag beendet und er kehrte nicht mehr ins Büro zurück.
Zu Beginn war Chinmoy mit 230 Dollar im Monat nicht gerade überbezahlt. Zudem betrug seine Arbeitszeit zehn Stunden täglich, wobei oftmals nicht einmal zehn Minuten Mittagspause gemacht werden konnte. Der Grund für diese strenge Zeiteinteilung war, dass verschiedene Arbeiten zu vorgegebenen Zeiten erledigt sein mussten.
