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Privatsekretär und Leichtathlet
Chinmoy wird Nolini Kanta Guptas Privatsekretär
Einen Tag nach seinem Geburtstag am 13. Januar 1957 machte Nolini Kanta Gupta den jungen und aufstrebenden Chinmoy zu seinem Privatsekretär. Dies war ein großer Schritt in dessen Leben. Denn hatte Chinmoy bis dahin die verschiedenartigsten Aufgaben übernommen, galt nun seine ganze Aufmerksamkeit dem vielfältigen schriftstellerischen Talent des Ashram-Sekretärs Nolini Kanta Gupta. So war auch seine erste Aufgabe das Durchsuchen von Hunderten von Ordnern, um mit dem Werk des großen Literaten vertraut zu werden. Zusätzlich war es dessen Wunsch, dass Chinmoy in regelmäßigen Abständen seine Schriften vom Bengalischen ins Englische übersetzen würde. Jeden Monat sollte mindestens ein Artikel im Magazin "Mutter Bengalen" erscheinen. Zu Hilfe kamen Chinmoy natürlich seine eigenen Erfahrungen mit dem geschriebenen Wort, welche er bereits in Essays und Gedichten eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte.
Nolini Kanta Gupta war ein äußerst bedeutender und beachteter Schriftsteller in Bengalen. Und auch Sri Aurobindo und sein Bruder Barindra Kumar Ghose hatten wiederholte Male dessen großes literarisches Format betont. Sogar der indische Schreiber und Poet schlechthin, der Literatur-Nobelpreisträger Rabindranath Tagore hatte gesagte, dass Nolinis Beitrag zur bengalischen Literatur einzigartig sei.
Chinmoy, der große Leichtathlet
Neben dem Schreiben und neuerdings der Arbeit für den Ashram-Sekretär Nolini Kanta Gupta galt Chinmoys Hauptaugenmerk der Leichtathletik. Hierbei erzielte er erstaunliche Leistungen, die selbst heute Zeit teilweise noch Bestand haben. So gewann Chinmoy den 100-Meter-Lauf 17 Jahre in Folge und war zudem auch in vielen anderen leichtathletischen Disziplinen äußerst erfolgreich. Das prädestinierte ihn geradezu zur Königsdisziplin der Leichtathletik, dem Zehnkampf. Und tatsächlich, sowohl 1958 als auch 1959 gewann Chinmoy diesen Wettbewerb und belegte 1960 einen immer noch beachtlichen zweiten Platz. Dieser Preis wurde von der Mutter des Ashrams, Mira Alfassa, persönlich überreicht, was einen zusätzlichen Ansporn für die teilnehmenden Sportler darstellte.
Eine besondere schwierige Disziplin war der Stabhochsprung, da damals noch keine Schaummatten oder ähnliches im Ashram existierte. Die Springer wurden von Helfern bestmöglich aufgefangen, so dass sie nicht zu hart auf der Sandmulde aufkommen würden. Hinzu kam, dass gerade Chinmoy einen etwas unorthodoxen Sprungstil hatte und deshalb beim Überqueren der Latte immer recht hilflos wirkte. Er ruderte etwas mit den Armen, so dass seinen zuschauenden Geschwistern der Angstschweiß auf die Stirn getrieben wurde. Doch glücklicherweise kam es zu keinen ernsthaften Verletzungen. Ausgenommen von jenem 400-Meter-Lauf, der dem jungen Chinmoy fast das Leben gekostet hätte... .
Der 400-Meter-Lauf und das Ringen mit dem Tod
"Die 400-Meter sind die schwierigste leichtathletische Laufdisziplin", betonte Sri Chinmoy immer wieder, "denn sie erfordern sowohl Ausdauer als auch Geschwindigkeit." Sri Chinmoy wusste, wovon er sprach. Denn einmal wäre ihm diese schwierige Disziplin fast zum Verhängnis geworden. Und dies begab sich folgendermaßen:
Chinmoy war ein ausgezeichneter 100-Meter-Sprinter und dementsprechend auch für die 200 und 400-Meter-Distanz bestens gerüstet. Aus diesem Grund ging er mit großem Selbstvertrauen aus dem Startblock und lief von Beginn an ein hohes Tempo. Er flog geradezu über die Aschenbahn und das obwohl damals im Ashram noch ohne Schuhwerk, also barfuß gelaufen wurde. Schon bald war Chinmoy an der letzten Kurve angekommen, die in die Zielgerade mündet. Und nach wie vor lief er in sehr hohem Tempo ohne die eigene Bahn aus den Augen zu verlieren. Chinmoy überquerte die Ziellinie und da geschah es: Ihm wurde schwarz vor Augen, er ging zu Boden und verlor das Bewusstsein. Sofort waren Helfer an Ort und Stelle, konnten jedoch Chinmoys Zustand nicht verbessern. Dieser war kritisch, sehr kritisch.
Später erzählte Sri Chinmoy, dass seine Seele den Körper bereits verlassen habe, jedoch von der Göttlichen Mutter Kali gepackt und in seinen Körper zurück transportiert wurde. Aber nach wie vor war er nicht vollständig bei Bewusstsein und musste deshalb ins Krankenhaus gebracht werden. Und dieser Zustand hielt mehrere Tage an. Ein Zustand, in dem er ununterbrochen innerlich mit der Göttlichen Mutter Kali sprach, bis er schließlich wieder ins normale Bewusstsein zurückkehrte. Glücklicherweise trug Chinmoy keine körperlichen oder sonstigen Schäden davon.
